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Fragen und Antworten

Es wäre weder sinnvoll noch möglich, die Brailleschrift abschließend zu regeln. Bei der Erstellung der Regelwerke ist die künftige Entwicklung in der Schriftsprache noch nicht bekannt und es kann nicht einmal an alle Eventualitäten auf dem aktuellen Entwicklungsstand gedacht werden.

Das Komitee wird gelegentlich gebeten, eine Entscheidung in Fragen zu fällen, die von den Regeln offengelassen werden. Die Antworten auf diese Fragen haben keinen verpflichtenden Charakter und müssen auch nicht auf künftige Regelungen hinweisen. Da sie für andere Interessierte nützlich sein könnten, werden sie hier veröffentlicht.


Darf ich in Voll- oder Kurzschrift st trennen, obwohl es dafür eine Kürzung gibt?

Dazu steht im aktuellen Regelwerk in Abschnitt "2.5.1.1 Trennungsstrich", dass bei der Silbentrennung nach den allgemein geltenden Regeln verfahren wird. Dabei ist es in Voll- und Kurzschrift möglich, Kürzungen aufzulösen, sodass st getrennt werden kann, wie in ⠺⠑⠎⠤ ⠀⠞⠑⠝ (Wes- ten). In Kurzschrift können an der Trennstelle auch andere Kürzungen gebildet werden, z. B. ⠺⠿⠤ ⠀⠞⠉ (Wes- ten mit es-Zeichen).

Eine Pflicht zum Auflösen von Kürzungen am Zeilenende besteht allerdings nicht. Manche Schreiber bevorzugen das gewohnte Kürzungsbild, auch wenn dann größere Zeilenränder entstehen.

Kann man auch bei der Uhrzeit die Stunden mit gesenkten und die Minuten mit normalen Ziffern schreiben?

Beim Datum ist es möglich, platzsparend die Angabe für den Tag mit gesenkten Ziffern, die für den Monat mit normalen Ziffern zu schreiben, z. B. ⠼⠂⠴⠊⠼⠁⠊⠓⠓ (10.9.1988). Kann man auch bei der Uhrzeit die Stunden mit gesenkten und die Minuten mit normalen Ziffern schreiben?

In der Systematik von 1998 war diese Schreibweise aufgeführt, aber sie wurde dann nur selten verwendet und von vielen Nutzern als irritierend empfunden, sodass sie nicht mehr in das aktuelle Regelwerk aufgenommen wurde. Laut Abschnitt "2.3.1.3 Zeitangaben" kann das Datum weiterhin mit gesenkter Tages- und normaler Monatsangabe geschrieben werden. Stunden und Minuten der Uhrzeit werden aber wie in Schwarzschrift entweder mit Punkt oder einem Doppelpunkt, auf den ein erneutes Zahlzeichen folgt, voneinander getrennt, z. B. ⠼⠁⠁⠄⠃⠑⠀⠥⠓⠗ oder ⠼⠁⠁⠠⠒⠼⠃⠑⠀⠥⠓⠗ (11 Uhr 25).

Wie behandelt man Zeichen wie Stern und Unterstrich in Kurzschriftwörtern?

Solche Zeichen am Anfang eines Worts oder im Wortinnern werden in Bezug auf die Kürzungsregeln als Buchstaben behandelt. Am Ende eines Worts gelten sie als Satzzeichen.

Um Verwechslungen mit zwei Sternen zu vermeiden, muss "in" zum Beispiel nach einem Gender-Stern ausgeschrieben werden.

Beispiele:

  • Segler*innen oder Segler_innen: ⠎⠑⠛⠇⠻⠠⠔⠊⠝⠝⠉ oder  ⠎⠑⠛⠇⠻⠈⠸⠔⠝⠉ (Nach dem Stern darf "in" nicht gekürzt werden.)
  • Segler*in vs. Segler**: ⠎⠑⠛⠇⠻⠠⠔⠊⠝ vs. ⠎⠑⠛⠇⠻⠠⠔⠔
  • Segler3: ⠎⠑⠛⠇⠻⠠⠔⠔⠼⠉ ("Segler" mit Fußnote 3)
  • @protestler: ⠈⠜⠏⠗⠕⠦⠾⠇⠻ (Da "pro" nicht mehr am Anfang des Worts steht, darf es nicht gekürzt werden.)

Wie schreibt man Hashtags & Co. in der Brailleschrift?

Die Zeichen #, @ und _ gehören inzwischen dank E-Mails, Facebook, Instagram usw. zum Alltag. Aber wie schreibt man etwa einen Hashtag in der Brailleschrift?

Bis 2011 gab es in der deutschen Textschrift kein Braillesymbol für das Nummernzeichen der Schwarzschrift, das eher unter Bezeichnungen wie "Hash", "Gatter", "Raute" oder schweizerisch auch "Gartenhag" bekannt ist. Vor 1998 gab es auch für das At-Zeichen und das Unterstrich-Zeichen kein Symbol. Zeichenfolgen, die diese beinhalteten, konnten nur in der Braillecomputerschrift dargestellt werden. E-Mail-Adressen werden immer noch eher in Computerschrift geschrieben.

Jetzt können diese Zeichen in der Textschrift, also Basis-, Voll- und Kurzschrift wiedergegeben werden. Dort bestehen sie aus dem Punkt 4 und einem weiteren Braillezeichen:

  • # ⠈⠼ (Punkte 4-3456)
  • @ ⠈⠜ (Punkte 4-345)
  • _ ⠈⠸ (Punkte 4-456)

In Basis- und Vollschrift gibt es kaum Komplikationen, wenn diese Zeichen auftauchen, zum Beispiel:

  • ⠈⠼⠍⠑⠓⠗⠍⠁⠉⠓⠞⠙⠑⠝⠏⠥⠝⠅⠞⠑⠝

oder

  • ⠈⠼⠍⠑⠓⠗⠍⠁⠹⠞⠙⠑⠝⠏⠥⠝⠅⠞⠑⠝
  • ⠈⠜⠏⠥⠝⠅⠞⠎⠑⠞⠵⠑⠗
  • ⠋⠁⠅⠑⠈⠸⠁⠙⠙⠗⠑⠎⠎⠈⠜⠃⠎⠅⠙⠇⠄⠕⠗⠛

Wie ist es mit Hashtags & Co. in Kurzschrifttexten?

In Kurzschrifttexten kann für solche Pseudowörter punktuell in Voll- oder Basisschrift gewechselt werden. Nur dann, wenn sie wegen der Verwechslungsgefahr mit Kürzungen nicht eindeutig sind, müssen sie unbedingt gekennzeichnet werden. Zum Beispiel, da "dt" in der Kurzschrift für "demokrat" steht, müsste man dafür sorgen, dass die Adresse "dt@bskdl.org" nicht als "demokrat@bskdl.org" gelesen werden könnte. Mögliche Varianten sind:

  • als Computerbraille (mit Kennzeichnung): ⠠⠨⠙⠞⠈⡜⠃⠎⠅⠙⠇⠄⠕⠗⠛
  • als Basis- bzw. Vollschrift (mit Kennzeichnung): ⠠⠄⠙⠞⠈⡜⠃⠎⠅⠙⠇⠄⠕⠗⠛
  • als Kurzschrift mit dem so genannten Auflösungspunkt vor dem d: ⠠⠙⠞⠈⡜⠃⠎⠅⠙⠇⠄⠢⠛

Es geht also auch in Kurzschrift. Aber hier ist Vorsicht geboten. Das Zusammenziehen von Wörtern verwischt deren Grenzen, so dass sie

  • weniger leicht erkannt werden und
  • im kurzschrifttechnischen Sinn gar keine einzelnen Wörter mehr sind.

Als Beispiel der Hashtag #mehrmachtdenpunkten. Wären die Wörter nicht zusammengeschrieben, sähen sie in der Kurzschrift wie folgt aus:

  • ⠶⠀⠍⠰⠞⠀⠑⠀⠏⠞⠉

Im Hashtag stehen "mehr" und "den" nicht mehr alleine und deswegen dürfen die üblichen einformigen Wortkürzungen nicht verwendet werden. Die Lautgruppenkürzungen für "eh" und "en" sind dagegen zulässig. Wird sie mit Punkt 2 angekündigt, so darf ebenfalls die Wortkürzung für "mehr" verwendet werden. Weiter ist zu überlegen, wie eindeutig die Kürzung "pt" für "punkt" ist. Wenn dennoch in Kurzschrift geblieben werden soll, gibt es viele Schreibweisen zur Auswahl, zum Beispiel:

  • ⠈⠼⠂⠶⠍⠰⠞⠙⠉⠏⠞⠉
  • ⠈⠼⠂⠶⠍⠰⠞⠙⠉⠏⠲⠅⠞⠉
  • ⠈⠼⠍⠶⠗⠍⠰⠞⠙⠉⠏⠞⠉
  • ⠈⠼⠍⠶⠗⠍⠰⠞⠙⠉⠏⠲⠅⠞⠉

Dagegen würde wohl jeder beim Hashtag #punktsetzer Basis- bzw. Vollschrift, oder aber folgende Schreibweise wählen:

  • ⠈⠼⠏⠞⠂⠑⠻

Wie werden Hashtags mit Großbuchstaben dargestellt?

Für eventuelle Großbuchstaben kommt üblicherweise die Kennzeichnung für Binnengroßschreibung zum Zug: für einzelne Großbuchstaben Punkte 46 (Basisschrift) bzw. Punkte 5-46 (Voll- und Kurzschrift). Zum Beispiel der Hashtag #SchriftPunkte:

  • Basisschrift: ⠈⠼⠨⠎⠉⠓⠗⠊⠋⠞⠨⠏⠥⠝⠅⠞⠑
  • Vollschrift: ⠈⠼⠐⠨⠱⠗⠊⠋⠞⠐⠨⠏⠥⠝⠅⠞⠑
  • Kurzschrift: ⠈⠼⠐⠨⠱⠞⠐⠨⠏⠞⠑

Können Teile von Hashtags hervorgehoben werden?

Immer öfter werden in Werbung und Ähnlichem die einzelnen zusammengefugten Wörter in Hashtags mit Farben oder Hervorhebung kenntlich gemacht. Dies ist ebenfalls in der Brailleschrift möglich und kann sogar – trotz dem Mehr an Zeichen – auch hier die Leserlichkeit verbessern. So könnte der Hashtag #mehrmachtdenpunkten (mit "macht" und "punkten" in Fettdruck) geschrieben werden:

  • ⠈⠼⠍⠑⠓⠗⠐⠸⠍⠁⠉⠓⠞⠠⠄⠙⠑⠝⠐⠸⠏⠥⠝⠅⠞⠑⠝

oder in Kurzschrift etwa:

  • ⠈⠼⠂⠶⠐⠸⠍⠰⠞⠠⠄⠙⠉⠐⠸⠏⠞⠉ oder ⠈⠼⠍⠶⠗⠐⠸⠍⠰⠞⠠⠄⠙⠉⠐⠸⠏⠞⠉

Wie werden Anführungszeichen in Brailleschrift geschrieben?

Es geht um die Satzzeichen, die am Anfang und am Ende einer direkten Rede, eines wörtlichen Zitats oder eines zitierten Titels bzw. Namens eines Werkes stehen. Im wissenschaftlichen Bereich geht es dabei darum, wie zitierte von nicht zitierten Textpassagen zu unterscheiden sind.

Schon bei der Frage, wie diese Zeichen heißen, wie sie bezeichnet werden, stellt man fest, dass es keine einheitliche Praxis gibt. Manche Menschen nennen sie "Redezeichen", andere "Anführungzeichen" oder "Anführungsstriche" oder auch "Gänsefüßchen". In den Fällen, in denen zwischen doppelten und einfachen zu unterscheiden ist, wird die Namensvielfalt noch größer: Man findet die Bezeichnung "Häkchen", aber auch "einfaches", "halbes" oder "kleines" Anführungszeichen.

Der Einheitlichkeit halber beschränke ich mich auf den Begriff "Redezeichen". Die vorderen, d. h. einleitenden, möchte ich "Redeanführungszeichen" und die hinteren, d. h. ableitenden, "Redeschlusszeichen" nennen. Wenn zwischen "Zitat" und "Zitat im Zitat" unterschieden werden soll, unterteile ich den Begriff "Redezeichen" in "doppelte" und "einfache".

Bekanntlich lassen sich Redezeichen in Schwarzschrift in vielfältigen, unterschiedlichen Formen darstellen.

In Fortsetzung früherer Schreibmaschinentastaturen stellen auch handelsübliche PC-Tastaturen heute in Deutschland nach wie vor nur eine Taste zur Verfügung, mit der sich Redezeichen auf einfache Weise am Bildschirm erzeugen lassen. Da nur eine einzige Tastenkombination (Umsch+2) angeboten wird, lässt sich ohne zusätzlichen Aufwand deshalb auch nur ein einziges Zeichen erzeugen. Auf dem Bildschirm bzw. auf dem Papier erscheinen im oberen Bereich eines Schriftzeichens zwei kurze Striche oder auch Haken nebeneinander. Diesem Zeichen kann man dann (für sich betrachtet) nicht ansehen, ob eine Rede ein- oder abgeleitet werden soll. Diese Art von Redezeichen wird "nichttypografisch" genannt. Im Unterschied dazu werden Redezeichen dann "typografisch" genannt, wenn man ihrer Form unmittelbar entnehmen kann, ob sie Reden einleiten oder diese beenden.

Im romanischen Sprachraum sind doppelte Winkelklammern (sog. "Guillemets") als Redezeichen gebräuchlich, deren Spitzen nach außen zeigen. Diese Zeichen werden häufig auch in Österreich und Deutschland verwendet, wobei die Spitzen hier nach innen weisen. Diese Zeichen werden "Chivron" genannt.

Unabhängig davon, welche dieser Darstellungsformen im Einzelfall verwendet worden ist, gilt für das System der deutschen 6-Punkt-Brailleschrift, dass einleitende doppelte Redezeichen immer durch das Zeichen mit den Punkten 236 und die abschließenden durch das Zeichen mit den Punkten 356 wiedergegeben werden. Bei einfachen Redezeichen wird dieser Punktekombination stets ein Punkt 6 vorangestellt. Kommen doppelte oder einfache Redezeichen innerhalb eines Wortes vor, so wird ihnen ein (weiterer) Punkt 6 vorangestellt. Zur Wiedergabe einfacher Redezeichen in Wörtern werden insgesamt also drei Brailleschriftzeichen benötigt.

Wie werden Wörter in der Kurzschrift geschrieben, die aus einem einzelnen Großbuchstaben bestehen?

Oder: Wie schreibt man "O du fröhliche, o du selige ..."?

Wörter, die aus einem Buchstaben bestehen, müssen von einformigen Wortkürzungen unterscheidbar bleiben. Ohne Kennzeichnung bedeutet der alleinstehende Buchstabe o das Wort "oder". Um das Wort "o" zu schreiben, stellt man dem o das Aufhebungszeichen Punkt 6 voran.

Der Punkt 6 wird ebenfalls als Ankündigungszeichen für Kleinbuchstaben verwendet. Daher ist beim Lesen von Punkt 6 und o die Funktion des Punkt 6 nicht eindeutig.

Bei großgeschriebenen Wörtern aus einzelnen Buchstaben gibt es zwei Möglichkeiten der Darstellung: Entweder wird - wie bei den meisten Wörtern üblich - die Großschreibung nicht gekennzeichnet und ein Punkt 6 vor den Buchstaben gesetzt, oder man verwendet das Ankündigungszeichen für einen einzelnen Großbuchstaben (Punkte 45).

Weil es hier primär darum geht, eine Kürzung aufzulösen, empfiehlt das BSKDL in solchen Situationen Punkt 6 - also das Aufhebungszeichen - zu setzen. Damit werden Wörter, die nur am Satzanfang großgeschrieben werden, ungeachtet der Stellung im Satz immer gleich geschrieben. So zum Beispiel beide Vorkommen des Wortes "o" in "O du fröhliche, o du selige ...".

Wo jedoch der einzelne Buchstabe als Buchstabe und nicht als Wort empfunden wird, soll je nachdem das Großschreibzeichen (Punkte 45) bzw. das Kleinschreibzeichen (Punkt 6) gesetzt werden. Zum Beispiel das Großschreibzeichen in der Redewendung "das A und O" und das Kleinschreibzeichen in "das a und o".

Wie werden Abkürzungen aus einem Großbuchstaben und einem Punkt geschrieben, wenn im Text die Großschreibung generell gekennzeichnet wird?

Solange nicht alle Großbuchstaben im Text als solche gekennzeichnet werden, werden Abkürzungen einzelnen Buchstaben mit Abkürzungspunkt nicht mit Großschreibzeichen versehen. Weder bei "W. A. Mozart" noch bei "W.A. Mozart" werden Großschreibzeichen gesetzt:

  • ⠺⠄⠀⠁⠄⠀⠍⠕⠵⠁⠗⠞ bzw. ⠺⠄⠁⠄⠀⠍⠕⠵⠁⠗⠞ (Basis- und Vollschrift)
  • ⠺⠄⠀⠁⠄⠀⠍⠕⠵⠴⠞ bzw. ⠺⠄⠁⠄⠀⠍⠕⠵⠴⠞ (Kurzschrift)

Bei genereller Kennzeichnung der Großschreibung wird das M von "Mozart" ja mit den Punkten 4 und 6 gekennzeichnet. Vor die Buchstaben W und A dürfen entweder jeweils Punkte 4 und 5, oder aber Punkte 4 und 6 gesetzt werden. Das BSKDL empfiehlt die Punkte 4 und 5:

  • ⠘⠺⠄⠀⠘⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠁⠗⠞ bzw. ⠘⠺⠄⠘⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠁⠗⠞ (Basis- und Vollschrift)
  • ⠘⠺⠄⠀⠘⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠴⠞ bzw. ⠘⠺⠄⠘⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠴⠞ (kurzschrift)
Auch möglich:
  • ⠨⠺⠄⠀⠨⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠁⠗⠞ bzw. ⠨⠺⠄⠨⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠁⠗⠞ (Basis- und Vollschrift)
  • ⠨⠺⠄⠀⠨⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠴⠞ bzw. ⠨⠺⠄⠨⠁⠄⠀⠨⠍⠕⠵⠴⠞ (kurzschrift)

Warum gibt es das Divisionszeichen mit den Punkten 256 nicht mehr?

Zu Beginn ist es wichtig, einige Begriffe auseinanderzuhalten: Bruchstrich, geteilt durch, verhält sich zu. Für den Laien scheinen diese drei Ausdrücke dasselbe zu meinen, jedoch stecken hinter ihnen unterschiedliche Konzepte der Mathematik.

Die Schreibweise für die oben genannten Begriffe hat sich in der Schrift der Sehenden im Laufe der Jahrhunderte geändert: Fibonacci verwendete als erster den waagrechten Strich in der Bedeutung des Bruchstriches. Die älteste Verwendung des Schrägstriches als Divisionszeichen ist für 1631 belegt. Leibniz dagegen benutzte 1684 den Doppelpunkt als Divisionszeichen. Der Doppelpunkt hat sich auch als Verhältniszeichen durchgesetzt.

Die Schriften der Blinden wurden natürlich von der Schrift der Sehenden beeinflusst. Lange wurde das Zeichen 256 als Divisions-, Verhältniszeichen und Bruchstrich verwendet. Im "Wiener Rechenkasten", der ab den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Grundschule verwendet wurde, um das Rechnen auf Papier anzubahnen, gab es den Schrägstrich als Divisionszeichen.

Je mehr man sich bemühte, durch die Brailleschrift exakt mathematische Sachverhalte darzustellen, um so notwendiger erschien es, zwischen verschiedenen Zeichen zu differenzieren. So wurde dem Bruchstrich die Punktkombination 1256 zugeordnet. Das Verhältniszeichen blieb der Doppelpunkt. Das Divisionszeichen wurde durch die Punkte 256 dargestellt.

Aber der Wunsch weitere Einzelheiten der Schrift der Sehenden in Brailleschrift wiedergeben zu können, führte dazu, dass das Sternchen als Markierung rechts oben oder unten am Symbol durch die Punkte 256 dargestellt wurde, weil auch andere Markierungszeichen (außer dem Haken der Versicherungsmathematik) einige der Punkte 2, 3, 5 und 6 enthalten. Weil ein Sternchen so gar nicht als Zeichen für eine Division passt, wurde das Zeichen 256 als Divisionszeichen in der neuesten Fassung der Mathematikschrift 2015 entfernt. Dass dieses Zeichen im Computerbraille den Schrägstrich darstellt, trägt hoffentlich nicht zur Verwirrung bei, wenn man weiß, dass sich auch in der Schrift der Sehenden in gedruckten Büchern der Doppelpunkt als Divisionszeichen durchgesetzt hat.

Können alle Zeichen des Unicodes in Braille wiedergegeben werden, z.B. alle Arten von Aufzählungszeichen?

Antwort: Die vier Hexadezimalzeichen, mit denen ein Unicode-Zeichen über die Tastatur eingegeben werden kann, ermöglichen es, in einer Ebene 65.536 Zeichen abzubilden. Die gesamte Unicode-Tabelle umfasst 17 Ebenen und kann daher theoretisch 1.114.112 Zeichen definieren, wobei einige Bereiche ausgespart bleiben. Das 6-Punkt-Braille lässt 64 Punktkombinationen (einschließlich des Leerzeichens) zu, bei 8-Punkt-Braille 256. Daher ist es unmöglich, mehr als 256 Zeichen eindeutig in einer Brailleform (vergleichbar dem Würfel-Sechser oder –Achter auf Papier) oder durch ein Braille-Modul (Braillezeile) darzustellen. Seit Erfindung ist im Braille-System das Prinzip verankert, Zeichen durch mehr als eine Brailleform abzubilden. Im 6-Punkt-Braille werden großgeschriebene Buchstaben durch Voranstellen einer Brailleform (Ankündigungszeichen) dargestellt.

Bis jetzt hat sich noch niemand die Mühe gemacht, allen Zeichen des Unicodes eindeutige Kombinationen von Braillezeichen zuzuordnen. Braillezeilen zeigen nicht alle Aufzählungszeichen eindeutig an, für viele gibt es jedoch eine Kurzbeschreibung durch die Sprachausgabe.

Für das 6-Punkt-Braille sind zwei Typen von Zeichen einer ungeordneten Aufzählung definiert worden. Hauptsächlich soll das Zeichen 6-36 verwendet werden. Für eine Aufzählung innerhalb einer Aufzählung ist 5; 3, 6 vorgesehen.